Margot und Harald Walter Azmann

Margot und Harald Walter Azmann

Lesung „Lisa – Es geht immer um Leben und Tod“

Am Ende zählen nur drei Dinge: Wie sehr du geliebt hast, wie sanft du gelebt hast, und wie anmutig du losgelassen hast, was dir nicht bestimmt war. —Buddhistisches Sprichwort

Lisa Louise Azmann, gerade erst 18 Jahre alt geworden, beendete am 18. September 2014 ihr Leben. „Lisa hatte es bei uns in der Klasse nicht leicht,“ schreibt eine ehemalige Schulkollegin. „Dadurch ist uns allen erst richtig bewusst geworden, wozu wir beigetragen haben. Wir waren jung und haben nicht daran gedacht wie kindisch, gemein und respektlos wir waren.“

„Das war das schönste Begräbnis, das ich jemals in meinem Leben erleben werde,“ schreibt die Mutter eines von Lisas jungen Freunden. „Ich habe noch nie eine so berührende, authentische und liebevolle Verabschiedung erlebt. Doch was sich für immer in mein Gedächtnis eingebrannt hat war Haralds Abschiedslied für Lisa.“ Es war „Smile, though your heart is aching. Smile, even though it’s breaking…“ das Nat King Cole unvergesslich gemacht hat.

„Eine außergewöhnliche, junge Frau, die mit ihrer Präsenz die Blicke der Menschen auf sich zog,“ schreibt die Schriftstellerin Monika Grill. „Sie hatte darauf bestanden geboren zu werden. In diese Familie. Aber es ist nicht leicht ein Menschenkind zu sein. Besonders ein sensibles, sanftes, lichterfülltes. Da hilft die beste, die liebevollste Familie nicht, um mit Migräne, Depression und Mobbing gleichzeitig fertig zu werden.

Der Platz in Haralds Leben den Lisa einnahm ist jetzt leer. Und das kann auch ihre geistige Präsenz und ihr Gleiten und Wehen und Flüstern in seinem Alltag nicht gutmachen. Als Trauernder, als Wissender, als Verlorener begreift er das unumstößliche Paradox – die Seele seiner Tochter lebt und ist glücklich, und das macht ihn glücklich, tröstet und gibt Sinn. Aber ihr Körper, ihre Art zu lachen, ihre ersten Schritte, wie sie sich auf ihn zubewegte, der Klang ihrer Stimme – all das gibt es jetzt nicht mehr und der Mensch ihn ihm, der Vater, trauert um das Menschenkind, das sie einmal war.

Margot lacht viel und tief und von Herzen. Es ist ein Witz, das Leben. Jeder, dem Schreckliches widerfahren ist, hat das gelernt. Und hat die Wahl – das Lachen anzunehmen oder es zu verweigern. Margot lacht. Aber im nächsten Moment schaut die Trauer aus ihren Augen und sie spricht von ihrem wachsenden Bedürfnis keine Rücksicht mehr auf die Befindlichkeiten anderer zu nehmen. Sie möchte von Lisa erzählen, wann und wie sie es will, und solange sie es will. Ohne sich rechtfertigen zu müssen, ohne den schon-wieder Blick in den Augen ihres Gegenübers.

Sie beschließt alle Einwände zu ignorieren und vorzupreschen wie – ja, wie eine wunderbare Wahnsinnige, würde ich sagen. Das sind meine Worte, aber ich denke sie passen. Sie hat sie sich verdient. Ich mag wahnsinnige Wahrhaftigkeitssinnige. Nichts hat gegen sie Bestand. Zwei Jahre hat Margot gebraucht um dafür die Kraft zu finden.“

Und wer uns in den letzten vier Jahren persönlich oder gedanklich begleitet und auch etwas genauer mitgedacht hat, hat durchaus verstanden oder wenigstens verstehen können, daß wir nicht nur mit unserer eigenen Trauerarbeit über Lisas Abschied beschäftigt sind, sondern auch mit der Trauerbegleitung unserer fünf Söhne: Christoffer, Manuel, Marcel, Alexander und Jonathan. Wir lieben und gehören zu einander, für immer.

Schon allein deshalb wäre das von viel Zuvielen in unserer Umgebung erwartete, und nicht selten regelrecht verlangte Stillschweigen und einsam vor uns hin trauern, nicht möglich gewesen. Denn die Gründung der „Eine Chance zum Glück“ Initiative hat uns als Familie die Möglichkeit gegeben, genau das wiederzufinden und damit gemeinsam vorwärts zu gehen.

Dieses Buch und sämtliche Einnahmen daraus unterstützen daher das Aktionsprogramm des gemeinnützigen Vereins Eine Chance zum Glück: 1. Lebensfreude und Entfaltung (Glücksforschung), 2. Intelligente Anti-Mobbing-Initiativen, 3. Suizidprävention (Transgenerationale Übertragung) und 4. Trauerbegleitung verwaister Familien. Und wir freuen uns darauf, anlässlich unserer Teilnahme an Sabine Lists Messe SEELENFRIEDEN am 15. und 16. März 2019 in Wien ein paar Gedanken daraus mit Euch zu teilen.

Das Thema ist groß. Es geht um das Leben selbst und unser aller Erleben darin. Nicht mehr und nicht weniger. Deshalb freuen wir uns über jede Spende, selbst wenn sie klein ist, aber von Herzen kommt, sowie Sponsoren, Unterstützer und ehrenamtliche Helfer. Spendenkonto: Eine Chance zum Glück IBAN: AT94 3939 0000 0050 9976 BIC: RZKTAT2K390. Kontaktaufnahme bitte per E-Mail an office@topcontext.com. Weitere Infos und Updates:

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